Pilotprojekt an der Löhrschule - Schüler lernen korrektes Benehmen
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- Kategorie: Förderverein
- Freitag, 11. Juli 2008 Trossinger Zeitung, hc
Um die beruflichen Startchancen ihrer Schüler zu erhöhen, hat die Löhrschule ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Für Achtklässler ist es nun Pflicht, an einem „Benimmkurs“ teilzunehmen, in dem sie etwa lernen, wie man korrekt grüßt. Auch andere Schulen aus dem Landkreis Tuttlingen haben bereits Interesse signalisiert.
Auf dem Fußboden des Klassenzimmers im Ganztagesgebäude sind farbige Zettel verteilt. „Privat“, „Fremde“ oder „Empfang“ steht darauf. Die Schüler sitzen in einem Kreis. „Wer grüßt wen?“, fragt Annette Weiß. „Die Jungen die Älteren“, weiß ein Mädchen. „Richtig“, sagt die Expertin für gutes Benehmen von der IHK. Heute übt sie mit den Hauptschülern das richtige Grüßen. „In Schule und Beruf wird immer der Ranghöhere zuerst gegrüßt“, erklärt sie. Die Entscheidung, die Hand zu reichen, liege beim Älteren. „Ihr dürft ihm nicht einfach die Hand hinhalten“, warnt sie.
Georg Graf, Klassenlehrer der 8c und 2. Vorsitzender des Fördervereins der Löhrschule, hatte die Idee für den Benimmkurs. „Mir ist aufgefallen, dass die Umgangsformen der Schüler immer mehr leiden“, sagt er. -
Betriebe richteten jedoch darauf verstärkt ihr Augenmerk. Um ihnen die besten Voraussetzungen zu bieten für den Start ins Berufsleben, sollen sie nun das Einhalten von Benimmregeln lernen. Themen sind etwa der richtige Händedruck, Erscheinungsbild und Kleidung oder der Umgang am Telefon. Nach langer Suche hat der Förderverein, der das Projekt gemeinsam mit der Kreissparkasse finanziert, eine geeignete Kursleiterin gefunden. Weiß gibt unter anderem Seminare für Verhaltensregeln im beruflichen Alltag – normalerweise jedoch für Erwachsene. Ihre „Premiere“ mit Schülern ist deshalb speziell auf deren Alter zugeschnitten.
70 Achtklässler nehmen verteilt auf mehrere Gruppen teil. Ebenfalls verpflichtend für sie ist laut Schulleiter Bernd Scharfenort auch ein zum Thema passender Tanzkursder bereits angelaufen ist. Ihm ist wichtig, dass Defizite im Benehmen „kein spezifisches Problem der Löhrschule sind“. Bei einer Schulleiterbesprechung mit dem Rotarierclub habe er das Projekt vorgestellt – es sei auf Interesse gestoßen. Wenn es erfolgreich verlaufe, soll der Unterricht in Umgangsformen auf alle Klassen der Trossinger Hauptschule ausgedehnt werden, plant Scharfenort. Die Eltern der Achtklässler seien schriftlich informiert worden, „die Reaktionen waren positiv“. Auch bei den Schülern kommt der Kurs offensichtlich an. Sie arbeiten fleißig mit, als Annette Weiß ihre Fragen zur Etikette stellt. „Wie soll ein Händedruck sein?“, will sie wissen. „Nicht zu schlapp und nicht zu stark“, antworten mehrere Jugendliche im Chor. „Es macht Spaß, weil wir viele Sachen lernen, die wir noch nicht wussten“, meint eine Schülerin. Und, dass sie versuchen werde, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Insgesamt seien die Reaktionen der Schüler auf den neuen Kurs jedoch sehr unterschiedlich gewesen, berichtet Weiß. Sie habe festgestellt, dass es besser laufe, je mehr Mädchen in der Gruppe seien. Dass der Benimmkurs offenbar Not tut, belegt eine andere Erfahrung, die Annette Weiß gemacht hat: „Knigge kannten nur ganz wenige.“

