Über allem steht ein großes Fragezeichen

logoszonloehrschuleWo geht die Reise hin mit der Gemeinschaftsschule? Obwohl der Trossinger Gemeinderat diese neue Schulform für die Löhrschule beschlossen hat, steht über allem noch ein großes Fragezeichen. Die FDP-Fraktion traf sich deshalb mit Schulleiter Bernd Scharfenort, um sich nochmals detailliert informieren zu lassen.

Zum ersten Mal hat die Löhrschule in der fünften Klasse ihre Zweizügigkeit verloren, weil es keine verbindliche Grundschulempfehlung mehr gibt. Die Löhrschule hat 20 Schüler aus Klasse vier weniger als im vergangenen Jahr, da deren Eltern sich für ihre Kinder für die Real- statt für die Trossinger Hauptschule entschieden haben. Und diese Schüler kommen auch nicht wieder zurück an die Löhrschule, ist sich der Rektor sicher.

„Gewisse Weichen sollten jetzt gestellt werden, sonst sind wir vielleicht irgendwann zu spät dran“, appelliert Scharfenort an die Gemeinderatsfraktion.

Außerdem werde es immer schwieriger, in der Realschule zu unterrichten, da das Leistungsspektrum immer größer werde. Vor diesem Hintergrund sollte die Gemeinschaftsschule berücksichtigt werden, so der Rektor. „Sonst steuert man auf die Zweigliedrigkeit zu.“ Das hieße, es gibt nur noch Realschule und Gymnasium, aber keine Hauptschule mehr.

Der Unterbau fehlt

Der Löhrschule fehle als einziger Hauptschule in der Region der „Unterbau“, die Grundschule. Wenn man die Löhrschule erhalten möchte, sei es „erstrebenswert“ nachzudenken, wie es in der Stadtmitte von Trossingen weitergeht.

Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule ist die Zweizügigkeit. Damit diese wieder erreicht werden kann und die Akzeptanz für die Gemeinschaftsschule steigt, setzt Scharfenort auf Kooperation mit der Rosenschule und der Realschule. „Wir müssen eng zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen“, erklärt er. Und überlegt, dass doch zum Beispiel Löhrschul-Lehrer an der Grundschule unterrichten könnten.

Wenn eine Kommune Schulen zusammenlegen möchte, werde die jetzige Landesregierung ihr sicher keine Steine in den Weg legen, ist Scharfenort überzeugt.

Doch die Löhrschule ist nicht die einzige Schule, die zur Gemeinschaftsschule werden will. Und der Antragstermin fürs Schuljahr 2013/2014 wurde einen Monat vorverlegt, auf 1. Oktober 2012. Der Rektor kann sich nicht vorstellen, dass jede Schule den Zuschlag erhält. Und er werde das auch nicht auf Biegen und Brechen schon für dieses Schuljahr durchboxen.

Dennoch ist er sich sicher, das Vorhaben Gemeinschaftsschule mit einem sehr motivierten Lehrerkollegium im Rücken stemmen zu können. „Die individuelle Förderung findet nicht mehr an der Tafel statt“, erklärt Bernd Scharfenort das Konzept.

Um wieder mehr Schüler zu bekommen und zu kooperieren, sei er bereits im Gespräch mit der Leiterin der Rosenschule, Helene Leske. Natürlich sei die Löhrschule auch offen für Gespräche mit der Realschule, betonte Scharfenort.

Kritik übten FDP-Fraktionssprecher Willy Walter und seine Ratskollegen an der Landesregierung, die die Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht habe ohne ein Konzept. Was Walter gar nicht gefällt ist, dass die Landesregierung die Kommune zum „Spielball“ mache. Denn die Kommune darf entscheiden, ob eine Schule umgestaltet wird. Willy Walter sprach von „fast schon verbrannter Erde“ und davon, dass Trossingen durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung bestraft werde.

Doch Scharfenort nahm die Landesregierung in Schutz, denn man werde nicht allein gelassen. Einige Gemeinschaftsschulen werden wissenschaftlich begleitet. Der Löhrschul-Leiter bat die FDP-Fraktion, nicht alles negativ zu sehen und zu lamentieren. So einen Umbruch im Schulwesen habe es noch nie gegeben, „das muss man auch mal als Chance begreifen“.