Gemeinschaftsschule bleibt Streitthema

cdu germania szon 2012Bildungspolitik ist ein heißes Eisen. Das ist auch klar geworden bei der CDU-Veranstaltung am Mittwoch im Gasthof „Germania“. Georg Wacker MdL, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und ehemaliger Staatssekretär im Kultusministerium, war auf Einladung von Landtagspräsident Guido Wolf und Stadtverbandsvorsitzendem Werner Hauser nach Trossingen gekommen, um vor vollem Haus über die Situation in der Schulpolitik zu sprechen. Es waren vor allem Lehrer, die sogar vom Bodensee und aus Donaueschingen gekommen waren, um Wacker mit Fragen und Meinungen zu bestürmen. Im Laufe der lebhaften Diskussion wurde zuweilen auch ein schärferer Ton angeschlagen, denn großes Thema war das neue Schulmodell der grün-roten Landesregierung: die Gemeinschaftsschule.

 

„Wir reden nicht alles schlecht und sind auch offen für Veränderungen, aber wir haben keinen Grund, in Sack und Asche zu gehen“, erklärte Guido Wolf. Der Landtagspräsident verwehrte sich dagegen, etwas kaputt zu machen, was sich bewährt habe. „Bei aller Veränderungsbereitschaft: es geht um Kinder. Wir können nicht einfach etwas ausprobieren.“

Die Landesregierung, so Georg Wacker, verspreche sich von der Gemeinschaftsschule, die „bis in ein paar Jahren“ die anderen Schulen ablösen solle, mehr Schüler mit höherem Bildungsabschluss. „Aber gibt es tatsächlich ausreichend Gründe für einen Systemwechsel?“, fragte Wacker.

Seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung machen sich vor allem kleine Kommunen große Sorgen um ihren Schulstandort. Auch Trossingen kämpft um seine Löhrschule. Wacker: „Ich habe Verständnis, dass die Gemeinschaftsschule eine Chance ist, den Schulstandort zu sichern.“ Doch er kritisierte das „Windhund-Verfahren“, nach dem die Anträge für diese Schulform genehmigt werden: Der Schnellste bekomme den Zuschlag.

Er habe „große Skepsis“, denn homogene Lerngruppen gebe es nicht. „Und jeder Praktiker weiß, dass ein gesunder Methodenmix besser ist“.

In der Diskussion kamen Gegner und Befürworter des neuen Schulmodells zu Wort. Angekreidet wurde das „völlig diffuse Bild“ von der Gemeinschaftsschule. „Berufliche Schulen gehen auf dem Zahnfleisch“, beklagte ein Lehrer aus Donaueschingen. Albert Grimm, Werkrealschul-Leiter aus Aldingen, stellte zunächst heraus, was die Hauptschule vor allem bei der Aufnahme von Immigrationsschüler leiste. Aldingen beabsichtigt, den Antrag auf eine Gemeinschaftsschule zu stellen, „denn das ist die Chance für uns, alle unsere Schüler ernst zu nehmen.“

Clemens Henn, CDU-Fraktionsvorsitzender in Trossingen, bat um Verständnis für die Gemeindepolitiker, die ihre Schulen erhalten möchten. Er frage sich, ob es sein müsse, in ein solches Abenteuer hineinzuspringen, „aber sonst laufen uns die Schüler davon, nach Aldingen.“

Die CDU, so Wacker, habe ein eigenes Modell in der Schublade, nach dem Bildungsgänge (Gymnasium, Realschule, Hauptschule) unter einem pädagogischen Dach gefasst werden, aber ohne eine Einheitsgruppe aller Schüler zu bilden.

Eva Dressler-Messner erklärte: „Die Hauptschule ist unattraktiv, da braucht man nichts schön zu reden. In der Löhrschule musste gehandelt werden, es wurde ein pädagogisches Konzept für die Gemeinschaftsschule entwickelt und im September geht es los.“

Kurt Häberle, Konrektor der Aldinger Werkrealschule, kritisierte polemische Aussagen über das Konzept. In Konstanz funktioniere die Gemeinschaftsschule schon seit Jahren. Er stellte klar, dass der Lehrer, wie es ihn früher gab, nicht abgeschafft werde.

Thomas Happle, Lehrer an der Löhrschule, ärgerte sich über den Begriff „Versuchskaninchen“. Damit diskreditiere man die Arbeit und das Engagement der Kollegen mit einem Plan. Schulleiter Bernd Scharfenort meldete sich als letzter zu Wort: „Meine Schule hat einen dramatischen Rückgang erlebt.“ Er bat daher um einen Rat, wie es weitergehen könne mit der Werkrealschule.

„Ich habe den Eindruck, das Markenzeichen Baden-Württemberg wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, so Guido Wolf. Doch das werde mit dem beruflichen Schulwesen nicht passieren, versprach er. Allerdings erklärte er auch, dass man sich von der Dreigliedrigkeit verabschieden sollte, denn wenn die Schülerzahlen dafür einfach fehlen, funktioniere das eben nicht.