An der Löhrschule wird gekämpft – ehrgeizig aber fair

fk1„Ich kämpfe fair!“, versichert Zena aus der 5c. Selin antwortet mit denselben Worten. Die Mädchen stehen sich gegenüber, die Hände im sportlichen Shakehands verbunden, und blicken sich in die Augen. Gleich werden sie im Zweikampf ihre Kräfte messen. Das Kampfspiel heißt „In den Ring ziehen“. Dabei fassen sich die Gegner an den Händen und versuchen sich gegenseitig so zu ziehen, dass einer von beiden in den am Boden liegenden Reifen tritt. Körperliche Vorteile werden nach Absprache durch Handicaps wie zum Beispiel einbeiniges Kämpfen ausgeglichen. Der Kampf endet wieder mit einem Ritual. Wenn alles korrekt abgelaufen ist, verabschieden sich die Rivalinnen jeweils mit der Aussage: „Du hast fair gekämpft!“

fk2Schulsozialarbeiter Dietmar Kleinert hat das Projekt „Faires Kämpfen“ von den Herbst- bis zu den Weihnachtsferien mit zwei fünften Klassen durchgeführt. Immer während der regulären Sportstunden arbeitete er mit insgesamt vier Gruppen, denn die Klassen wurden für diese Stunden nochmals in Jungen und Mädchen geteilt. Obwohl die Kinder allein beim Begriff „Kämpfen“ sofort begeistert waren, standen zunächst Kooperations- und Vertrauensübungen im Vordergrund. Danach wurden 5 elementare Regeln vereinbart und der Zusammenhang von Respekt, Aufmerksamkeit und Disziplin besprochen. Als Sanktionen mussten die Kinder Liegestützen oder Kängurusprünge befürchten. Die Aufgaben und Spiele wurden in den folgenden Einheiten nach und nach anspruchsvoller. Den Abschluss bildeten die Übungen „Kampf um die Kokosnüsse“ und „Mattenkönig“, bei dem nur der gewinnt, dem es gelingt, als Letzter auf der Matte zu bleiben, während alle anderen herunter geschoben, gezogen und gedrückt wurden. Die Klasse 5b wird im Neuen Jahr ebenfalls am Projekt teilnehmen.

fk3„Kinder rangeln, raufen und kämpfen in der Regel sehr gerne“, so Dietmar Kleinert, „nur geht es dabei oft drunter und drüber und die Gefahr, dass aus Spaß plötzlich Ernst wird, ist sehr groß. Deshalb geht es beim Fairen Kämpfen vor allem darum, den Kindern spielerisch zu zeigen, wie man mit Spaß und Verstand seine Kräfte messen kann. Spezielle Kampftechniken spielen dabei keine Rolle.“ Die Mädchen seien mit der gleichen Begeisterung und Verbissenheit dabei gewesen wie die Jungen. Und die Jungen hätten das gleiche Maß an Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und Rücksichtnahme bewiesen wie die Mädchen. Das nötige Know-how hat sich Dietmar Kleinert durch eine Fortbildung beim Württembergischen Landessportbund erworben, bei welcher er viele Spiele am eigenen Leib erfahren hatte.